1 – Ein Lämmlein trank ganz frische
An einem kühlen Bach.
Da kam aus dem Gebüsche
Ein Wolf und schlich ihm nach.
Bald sprach er zu dem Lamme : »
Was hab ich dir getan ?
Der Strom ist voller Schlamme,
Dass ich nicht saufen kann ! »
2 – Das Lamm gab gute Worte
Und sprach : « Du treibst nur Scherz !
Fliesst nicht von deinem Orte
Der Strom herunterwärts ? »
Der Wolf war überwiesen,
Doch fing er wieder an :
« Du hast vor diesem
Mir Unrecht angetan.
3 – Ich ward vergangnen Winter
An Ehren angetast,
Doch kam ich bald dahinter,
Dass du gelogen hast ! »
« Im Winter war’s verbrochen ?
Ei, Wolf, wo denkst du hin ?
Es wird ja erst vier Wochen,
Dass ich geboren bin ! »
4 – So deutlich überführte
Den Wolf des Lamms Bericht,
Doch alles dieses rührte
Des Mörders Herze nicht.
Er sprach mit Ungestümen :
« Dein Vater hat’s getan ! »
Und fing darauf im Grimmen
Das Lamm zu fressen an.
5 – So treiben grosse Herren
Manchmal dergleichen Spiel,
Die Unschuld mag sich sperren,
Soviel sie kann und will.
Die Armen gelten wenig,
Die Frommen leiden Not ;
Den Weinberg nahm der König,
Und Naboth schlug er tot.











